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Das Museum Gunzenhauser präsentiert seinen Gesamtbestand an
Uwe Lausens großformatigen Gemälden aus den Jahren 1965 – 1968

UWE LAUSEN

Mai – Oktober 2009

«wer alles fressen kann, der ist krank» Uwe Lausen

Mit 29 Jahren wählt Uwe Lausen im September 1970 den Freitod. In dem Jahrzehnt zuvor
entstand ein künstleri-sches Werk, das in den Jahren vor den Ereignissen von 1968 ohne
Entsprechung ist und sich mit der Rolle des Individuums im gesellschaftlichen Kontext der
Bundesrepublik der 1960er-Jahre auseinandersetzt.

1960 beginnt Lausen zunächst ein Jura- und Philosophiestudium in Tübingen, das er aber
bald abbricht, um im Winter 1960/61 nach München zu gehen, wo er sich unter dem Einfluss
der Malergruppe SPUR der bildenden Kunst zuwendet. Die ersten Werke sind von der
informellen Malerei geprägt. Aus dieser abstrakten Bildwelt löst er sich Mitte des Jahrzehnts,
indem er u. a. Fotos und Illustrierten-Ausschnitte in seine Kompositionen einbezieht und zu
realistischen Motiven übergeht. In einem intensiven Schaffensprozess entstehen ab 1966
die Gemälde, in denen er die Kehrseiten des Menschen und der Gesellschaft in einer Form
thematisiert, wie es bis dahin kaum einer gewagt hatte. Seine Motive stammen aus dem
politischen und kulturellen Untergrund, der Aussteiger- und Drogenszene oder dem privaten
Milieu und werden von ihm in einer Form behandelt, wie es sie mit der ihnen eigenen
"brutalen Expressivität" und "penetranten Direktheit" (Axel Hinrich Murken) zuvor nicht
gegeben hat.

Unter dem Einfluss der Wiener Aktionisten und der aufkommenden englischen und
amerikanschen Pop Art findet er in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre zu einer ihm
eigenen Ausdrucksform und es gelingt ihm, "ein kompri-miertes künstlerisches Werk
zu schaffen, das schonungslos unsere Veränderungen, Ängste und Albträume science-
fiction-haft ans Tageslicht holt" (Klaus Hartmut Olbricht). Lausen sucht die Widersprüche
und Spannungen in der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft und der Generation
seiner Eltern aufzudecken und künstlerisch zu bearbeiten: Saturiertheit, bewusstes
Negieren unbequemer Aspekte jüngstvergangener deutscher Geschichte, Repression
individuellen, selbstverantwortlichen Handelns sowie einer freien Entfaltung des
Individuums in materiell gesättigter Umgebung - Themen, die vier Jahrzehnte nach
der Entstehung der Werke nicht nur aufgrund der Unmittelbarkeit ihrer Darstellung
nach wie vor Aktualität beanspruchen.

Dr. Alfred Gunzenhauser gehört zu den wichtigen Sammlern der Werke Uwe Lausens
wie auch zu den einfluss-reichen Galeristen, die sich dem Werk des Künstlers widmen.
So hat er bereits drei Jahre nach Lausens Freitod eine Ausstellung mit dessen Werken
in seiner Münchner Galerie veranstaltet. Heute befinden sich 12 Gemälde und drei
Zeichnungen im Besitz des Museums Gunzenhauser, womit sich nahezu ein Zehntel
des malerischen Schaffens Uwe Lausens in Chemnitz konzentriert.

Anlässlich des 40. Todestages von Uwe Lausen veranstaltet die Schirn Kunsthalle
Frankfurt am Main 2010 eine große Retrospektive zum Œuvre des Künstlers. Im
Vorfeld dazu präsentiert das Museum Gunzenhauser über die Sommermonate
2009 den Gesamtbestand aller Gemälde Uwe Lausens aus den Jahren 1965 bis 1968.
© Kunstsammlungen Chemnitz 2017