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Zwar lag der Fokus des Münchner Galeristen und Sammlers Dr. Alfred Gunzenhauser auf der figurativen Malerei der Klassischen Moderne, doch finden sich in seiner Sammlung ebenso Werke bedeutender Protagonisten der Abstraktion. Mit ihnen bewies der Sammler ein außerordentliches Gespür für die Qualität und Relevanz einzelner zeitgenössischer künstlerischer Positionen. Eine Auswahl wird vom 27. Januar bis zum 8. April 2018 in den Kunstsammlungen Chemnitz – Museum Gunzenhauser präsentiert. Sie verdeutlicht die Entwicklung der Abstraktion nach 1945.

Die Bildsprache der Abstraktion fordert den Betrachter in besonderer Weise heraus. Stellt er sich dieser Herausforderung, kann sie zu einem facettenreichen Spiegel eigener Gedanken, Assoziationen und Emotionen werden. Sie erscheint als eine Schule des Sehens und Fühlens, die den Betrachter auf neue und eigene Weise nicht nur mit der Gefühls- und Gedankenwelt des jeweiligen Künstlers, sondern auch mit sich selbst konfrontiert.

Die Entwicklung der Abstraktion reicht bis in die Anfänge der Moderne zurück und fand einen ersten Höhepunkt im frühen 20. Jahrhundert bei Künstlern wie Wassily Kandinsky (1866–1944), Robert Delaunay (1885–1941), Kasimir Malewitsch (1878–1935) und Piet Mondrian (1872–1944). Ein weiteres Mal kulminierte sie nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Angesichts der zuvor erfahrenen Gräuel erschien die Abwendung vom Figürlichen als einziges probates Mittel, dem Unsagbaren und der Sprachlosigkeit der Kriegs- und Nachkriegsgeneration Ausdruck zu verleihen.

In den 1950er- und 1960er-Jahren war die Abstraktion im westdeutschen Kunstbetrieb allgemeiner, nahezu unwidersprochener Konsens. Dabei wurden wichtige Impulse aus Frankreich und den USA aufgenommen. Schon in den 1940er-Jahren kam es in Frankreich zur Entwicklung des sogenannten Informel, während sich wenig später in den USA der abstrakte Expressionismus mit dem Action Painting eines Jackson Pollock (1912–1956) Bahn brach.

Diese Einflüsse zeigen sich in den ausgestellten Werken aus der Sammlung Gunzenhauser. Ein besonders umfangreiches Werkkonvolut trug Gunzenhauser von Willi Baumeister (1889–1955) zusammen. Er gehört zu den bedeutendsten deutschen Vertretern der abstrakten Moderne. In der Ausstellung verdeutlichen insgesamt siebzehn Werke seine Entwicklung von frühen konstrukti-
vistischen Tendenzen bis zu seinem Spätwerk, in denen sich die abstrakte Formensprache mit organischen Formen und Spuren gegenständlicher Elemente verbindet.

Auch der in Frankreich wirkende Russe Serge Poliakoff (1900–1969) ist mit einer größeren Werkgruppe in der Sammlung Gunzenhauser vertreten. Angeregt durch die Begegnung mit Kandinsky entwickelte er Mitte des 20. Jahrhunderts eine geometrische Abstraktion mit oft einfarbigen oder im Farbwert nur leicht variierenden Flächen. Eine ähnliche Entwicklung ist auch bei den großformatigen Gemälden Fritz Winters (1905–1976) zu erkennen.

Ernst Wilhelm Nay (1902–1968) gewann seine Hauptinspiration dagegen aus der Beschäftigung mit der Musik und dem Versuch der Übertragung ihrer Prinzipien auf die Malerei. Dabei entstanden kraftvolle Klangbilder aus meist kreisrunden Farbflächen, die in ihrer vibrierenden Farbigkeit voller Dynamik sind.

Emil Schumacher (1912–1999), Bernard Schultze (1915–2005) und Fred Thieler (1916–1999) zählen zu den Hauptvertretern des deutschen Informel, in dem die jüngsten Entwicklungen in Frankreich und in den USA unmittelbar aufgegriffen wurden. Ihre Arbeiten leben beinah ganz aus dem gestischen Farbauftrag, in dem die Farbe in ihrer Materialität und Vielschichtigkeit zum entscheidenden Ausdrucksträger wird.

Abgerundet wird die Ausstellung schließlich durch einzelne Gemälde von Vertretern der nachfolgenden Künstlergenerationen wie Arnulf Rainer (*1929), Dieter Krieg (1937–2005) und Clemens Kaletsch (*1957). In ihrem Werk klingen die beschriebenen Entwicklungen nach, verbinden sich aber bald auch mit neu aufkommenden erzählenden Tendenzen.


Künstler der Ausstellung

Willi Baumeister (1889–1955)
Karl Fred Dahmen (1917–1981)
Clemens Kaletsch (*1957)
Dieter Krieg (1937–2005)
Heino Naujoks (*1937)
Ernst Wilhelm Nay (1902–1968)
Serge Poliakoff (1900–1969)
Arnulf Rainer (*1929)
Bernard Schultze (1915–2005)
Emil Schumacher (1912–1999)
Fred Thieler (1916–1999)
Fritz Winter (1905–1976)

© Kunstsammlungen Chemnitz 2018