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GOTISCHE SKULPTUR IN SACHSEN

GOTISCHE SKULPTUR IN SACHSEN

Dauerausstellung

 

 

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GOTISCHE SKULPTUR IN SACHSEN

Eine Kooperation der Skulpturensammlung
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

mit den Kunstsammlungen Chemnitz -
Schloßbergmuseum
 


Dank der großzügigen konzeptionellen Haltung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden
ist seit 21. Juni 2009 im Schloßbergmuseum in Chemnitz die einzigartige Sammlung
GOTISCHE SKULPTUR IN SACHSEN zu sehen.

Die Idee des Projektes beruht auf einer gemeinsamen Initiative von Dr. Moritz Woelk,
Direktor der Skulpturensammlung Dresden in Übereinstimmung mit Prof. Dr. Martin Roth,
Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und Ingrid Mössinger,
Generaldirektorin der Kunstsammlungen Chemnitz.
Es handelt sich dabei um die Zusammenführung von mittelalterlichen Skulpturen die
bislang auf der Albrechtsburg in Meißen, in der Skulpturensammlung der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden und im Schloßbergmuseum in Chemnitz gezeigt wurden.

Dass diese beeindruckenden sächsischen Sonderformen eines epochalen europäischen
Stiles nun an einem einzigen Ort zu besichtigen sind, ist nicht nur der generösen Haltung
der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu verdanken, sondern auch der Oberbürger-
meisterin der Stadt Chemnitz, Frau Barbara Ludwig, die sofort die Chance einer einmaligen
kulturellen Bereicherung für die Stadt Chemnitz erkannte. Ohne die tatkräftige Unterstützung
von Frau Lüth, Kulturbürgermeisterin der Stadt Chemnitz, wäre die Realisierung des
Projektes schwerlich gelungen.

Geographisch gesehen stammen die gezeigten Objekte aus der gesamten Region
Sachsen und decken den Raum zwischen dem westlichen Erzgebirge und der Oberlausitz
im Osten ab. Der überwiegend skulpturale Teil der Ausstellung wird durch einige Altarretabel
und hochrangige Werke spätgotischer Tafelmalerei ergänzt. Hervorgegangen aus dem
einstigen Chemnitzer Benediktinerkloster stellt das Museum mit seiner ursprünglich sakralen
Funktion ein würdiges Umfeld für die Ausstellungsstücke dar, die ursprünglich einen
liturgischen Zweck im Kirchenraum zu erfüllen hatten. Die benachbarte bis ca. 1533
errichtete Schloßkirche veranschaulicht mit der dortigen vom Meister H. W. geschaffenen
Geißelsäule, dem Nordportal des Franz Maidburg und dem Katharinenaltar im Chor die
ursprüngliche Zweckbestimmung solcher Ausstattungsstücke in einem Gotteshaus.

Die Ausstellung wurde im Erdgeschoss in den erhaltenen Räumlichkeiten des Klosters
– Kapitelsaal, Parlatorium, Refektorium und Kreuzgang – eingerichtet. Der überwiegende
Teil der Plastiken stammt aus der Blütezeit des sächsischen Silberbergbaus vom Ende
des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts, die sich auch förderlich auf die Künste aus-
wirkte und in der Errichtung spätgotischer Hallenkirchen kulminierte. Für die Ausstattung
der Kirchen u a. mit den hier ausgestellten Schnitzaltären und Heiligenfiguren zeichneten
zahlreiche Bildhauerwerkstätten verantwortlich, unter denen die des Freiberger Dom-
apostelmeisters, des Meisters H. W. in Chemnitz und des Peter Breuer in Zwickau die
bedeutendsten darstellen. Unter den präsentierten Skulpturen befinden sich auch Haupt-
werke dieser Bildhauer. So gehörte der thronende Nikolaus, der als Frühwerk des
Apostelmeisters gilt, zu einem nicht mehr erhaltenen Altarretabel des Freiberger Domes.

Die äußerst qualitätvollen Skulpturen einer Schmerzensmutter, eines Kruzifixtorsos und
eines auferstandenen Christus gehen dagegen auf den Meister H. W. bzw. dessen
unmittelbaren Umkreis zurück. Von Peter Breuer sind insgesamt vier Skulpturen in der
Sammlung ausgestellt. Unter ihnen bezeugen insbesondere die beiden Gersdorfer
Figuren eines Christophorus und Johannes des Täufers die außerordentliche Meister-
schaft des Künstlers. Sie entstanden im Anschluss an seine Gesellenzeit in Würzburg,
die er u. a. in der Werkstatt von Tilman Riemenschneider, des wohl berühmtesten
deutschen Bildschnitzers seiner Zeit verbrachte. Darüber hinaus stand Breuer mit Hans
Hesse, dem bedeutendsten sächsischen Maler der Spätgotik, in enger Verbindung und
gründete mit ihm eine Werkgemeinschaft. Das aus der Hand Hesses stammende und
im Museum ausgestellte Epitaph des Stephan Gülden mit der Darstellung der Gottes-
mutter und Maria Magdalena zählt zu den Hauptwerken sächsischer Malkunst des
ausgehenden Mittelalters.

Von einem unbekannten Meister stammt schließlich das berühmte und im Refektorium
präsentierte Heilige Grab, welches – zwischen 1480 und 1525 entstanden – eines der
wenigen erhaltenen Beispiele für eine als mobiler Prunkschrein gestaltete Grablege
Christi darstellt. Die inhaltliche Thematik der ausgestellten Werke umfasst Kindheit,
Passion und Opfertod Jesu Christi und findet ihren Höhepunkt in der Darstellung des
auferstandenen Gottessohnes. Die zahlreichen, insbesondere im nördlichen Kreuzgang 
ausgestellten Heiligen verdeutlichen deren Assistenzfunktion als Bindeglied zwischen
dem gläubigen Betrachter und der Instanz Gottes.

Neben dem erwähnten spätgotischen Werkbestand umfasst die Sammlung auch
bedeutende Objekte aus der Zeit des hohen Mittelalters. Dazu gehören neben der
Otzdorfer Madonna (um 1160/70) auch architekturplastische Werke in Stein wie das
spätromanische Tympanon von Elstertrebnitz. Im Parlatorium sind Altäre und Skulpturen
des sog. Weichen Stils (ca. 1380– 1430) versammelt, unter denen ein auferstandener
Christus aus Kamenz, das Topfseifersdorfer Retabel und der Hausaltar des Dietrich
von Schönberg besondere Aufmerksamkeit verdienen.

© Kunstsammlungen Chemnitz 2017